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Ein Stammtisch für Europa

Frieden und Sicherheit – Versprechen eines geeinten Europas und Hauptarbeitsfeld der Jugendorganisation „Junge Europäische Föderalisten“.

Von Nina Hoppmann am 14. März 2017

Die Atmosphäre im Brauhaus ist locker, die Kerzen flimmern auf den Holztischen, eine kleine Europafahne steht inmitten einer Runde junger Menschen: Stammtisch der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) Köln. Sie verbindet ein Ziel: sich für Europa stark machen. Daher planen und organisieren die JEFs verschiedene Events, um Menschen in einen Dialog über Europa zu bringen. Die Themen sind dabei breit gefächert – von der Annexion der Krim bis zu den anstehenden Wahlen in Frankreich.

Selbstverständlichkeiten ins Bewusstsein rufen

Dieses Ziel hört sich im ersten Moment nach einem schwierigen an. Der Rechtspopulismus ist auf dem Vormarsch. Die Finanzkrise, Streitigkeiten bei der Verteilung von Geflüchteten sowie die Entscheidung zum Brexit haben nicht dazu beigetragen, die Europäische Union in ein positives Licht zu rücken. Hinzu kommt der Vorwurf, dass Brüssel weit weg vom Alltagsleben der Bürgerinnen und Bürger sei. Die JEFs besinnen sich deshalb auf die Grundidee der EU und stellen ihre Vorzüge in den Vordergrund. „Der Frieden in Europa und die Vorteile in unserem Leben durch Regelungen auf europäischer Ebene werden nicht mehr wertgeschätzt“, meint Corinna, erste stellvertretende Vorsitzende der JEF Köln. „Wir sehen den Trend, dass die Sicherheit, die Wertegemeinschaft und wesentliche Erfolge wie die Freizügigkeit in Europa als selbstverständlich hingenommen werden. Man muss den Leuten wieder vor Augen führen, dass dem nicht unbedingt so ist.“

Auseinandersetzung mit Interessierten und Skeptikern

Doch wie erreicht man „die Leute“? Eine Frage, die sich auch im Vorfeld der Bundestagswahl viele Menschen stellen. Die JEFs setzen vor allem auf die Bildungsarbeit. Sie gehen an Schulen, veranstalten Diskussionen oder simulieren Sitzungen des Europäischen Parlaments, um bei jungen Menschen frühzeitig das Bewusstsein für Europa zu schärfen. Selbstkritisch erkennen die JEFs jedoch auch, dass sie sich in einer „Bubble“ bewegen. Viele von ihnen studieren Politikwissenschaften oder gehen einer Arbeit im politischen Kontext nach. Sie gewinnen neue Mitglieder vor allem über die Universität und pflegen Kontakte zu Freunden auf der ganzen Welt. Auch ihre Veranstaltungen werden hauptsächlich von Menschen besucht, die sich bereits für Europa interessieren.

Doch die Auseinandersetzung mit Europaskeptikern ist im Wahljahr 2017 so bedeutend wie lange nicht mehr. Die anstehenden Bundestagswahlen entscheiden – wie auch die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich – über die Entwicklung der Gemeinschaft. Angesichts der lauter werdenden Stimmen, die sich gegen europäische Lösungen aussprechen, brauche es eine noch lautere proeuropäische Jugend. „Allein aus historischer Perspektive ist Europa unheimlich wichtig“, ist Nico, Student an der Uni Köln, überzeugt. „Die Gegenseite formiert sich, nun müssen auch wir handeln“.

Im Austausch mit Nachwuchspolitikern

Beim Stammtisch kommt daher die Idee auf, den Austausch mit den Jugendparteien zu suchen. Eine Organisation, die dies bereits erfolgreich tut, ist das „Jugendforum: Politik“ (JUFO). Sie veranstaltet an Schulen Debattenevents im US-amerikanischen Stil und setzt dabei auf Themen, die aktuell in der Gesellschaft heiß diskutiert werden: direkte Demokratie, innere Sicherheit, Islam, „Flüchtlingskrise“. Mit dabei sind die Jugendorganisationen der SPD, CDU, DIE LINKE, FDP, Bündnis90/DIE GRÜNEN und der AfD. Die Veranstalter legen viel Wert darauf, dass die Debatte fair verläuft und jeder sich einbringen kann. Die Schülerinnen und Schüler bewerten dies überaus positiv und fühlen sich in ihrer Meinungsbildung gestärkt. Einbindung statt Ausschluss: Ein Weg, der auch beim Thema Europa das Bewusstsein und das Engagement der jungen Menschen stärken kann. Zum Beispiel für die Wahlen 2017.