Menu

Fakten oder Fake? Der Schnellcheck

In den sozialen Medien gewinnen häufig die Lautesten den Kampf um die Aufmerksamkeit. Fake News machen sich dieses Prinzip zunutze. Wie können wir sie in der Nachrichtenflut erkennen? Fünf Tipps von einem Experten.

Von Anne Schmidt am 19. Juni 2018

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt vor allem im Journalismus. „Häufig kommen Fake News nicht geplant in die Welt, sondern entstehen durch Ungenauigkeiten im Arbeitsprozess bei öffentlichen Stellen oder im Journalismus“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Alexander Sängerlaub. Der beste Schutz vor Fake News sind deshalb kritische Mediennutzer.

 

 

Heute erreichen uns vielmehr Informationen ganz direkt – ohne journalistische Aufbereitung. „Bürgerinnen und Bürger brauchen heute mehr journalistische Kompetenzen als früher“, sagt Alexander Sängerlaub. Das bedeutet im Zweifelsfall: Prüfen Sie, ob der Absender vertrauenswürdig ist und auf welche Quellen die Nachricht sich bezieht. Wenn Sie herausfinden, dass journalistische Qualitätsstandards nicht eingehalten wurden, sind Zweifel am Wahrheitsgehalt der Nachricht berechtigt.

 

 

„Teilen andere falsche Informationen, sollten Sie darauf reagieren und eine vertrauenswürdige Quelle darunter posten“, empfiehlt Experte Sängerlaub. Wer sich unsicher ist, ob eine Meldung sachlich richtig ist, kann Fact-Checking-Institutionen schreiben, wie dem ARD-Faktenfinder, die sich um Aufklärung kümmern. Es liegt aber in der Funktionslogik der sozialen Medien, dass emotionale Fake News mehr Aufmerksamkeit erfahren als ihre sachliche Richtigstellung. Sie passen einfach besser ins System.

 

 

„Wenn eine News in das eigene Weltbild passt oder dem persönlichen Wissensstand entspricht, stufen wir sie erst einmal als wahr ein,“ sagt der Kommunikationswissenschaftler. In gewisser Weise sind wir also ganz schön faul und suchen permanent nach Informationen, die unser Weltbild bestätigen. Also: Hoch von der Couch und auch mal Nachrichten lesen, die über den eigenen Tellerrand hinausgehen. Social Media ist dabei meist nicht die beste Informationsquelle – oder wie die Publizistin Carolin Emcke sagt: „Tja, überall Fake News? Kauft halt ne Zeitung!“

 

 

Welchen Stellenwert haben Fake News hierzulande? Experte Sängerlaub gibt Entwarnung: „In Deutschland ist die Verbreitung von Fake News anders als in den USA noch sehr gering. Das hängt auch damit zusammen, dass es dort einen viel größeren Raum für Desinformation gibt, auch weil das Mediensystem dort polarisierter ist. Die Leute informieren sich ganz anders und konsumieren viele Informationen über Social Media. Letzteres ist bei uns noch kein vorrangiger Kanal für politische Informationen.“

 

 

Alexander Sängerlaub
leitet das Projekt „Measuring Fake News“, das dem Phänomen „Fake News“ mit zahlreichen Expertinnen und Experten interdisziplinär auf den Grund geht. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Psychologie an der Freien Universität Berlin. Alexander Sängerlaub ist Publizist und arbeitet im Think Tank Stiftung Neue Verantwortung.

Mehr zum Thema

Fakten statt Fakes – Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fakes News im Bundestagswahlkampf 2017 – Studie von Alexander Sängerlaub, Miriam Meier, Wolf-Dieter Rühl

Lügenpresse, Populismus und Verschwörungsdenken. Medienkritik zwischen berechtigtem Anliegen und Angriff auf die offene Gesellschaft – Ringvorlesung der Universität Hamburg