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Gesagt, getan: Spannungsfelder der politischen Kommunikation

Wahrheit – wirklich eine Frage der Sichtweise? Drei Beraterinnen und Berater von neues handeln über Spannungsfelder der politischen Kommunikation.

Von Silke Stamp am 19. Juni 2018

Marielle Erb: Die Wahrheit nicht verbiegen

Vegetarische Ernährung ist super gesund, sagen die einen. Wer kein Fleisch isst, leidet an Mangelerscheinungen, sagen die anderen. Herauszufinden, was wirklich wahr ist (wenn es das denn gibt), ist kompliziert. Was wird aus Wahrheit, wenn es für (fast) jede Haltung Belege gibt? Es entsteht: eine persönliche Wahrheit. Sie schöpft sich neben Fakten aus all dem, was einen Menschen ausmacht. Damit aus unseren persönlichen Wahrheiten ein Miteinander entsteht und wir uns nicht im Nebeneinander verlieren, brauchen wir Kommunikation. Sie erlaubt uns, unsere Wahrheiten abzugleichen und erleichtert es uns, Entscheidungen zu treffen, die auf Vernunft basieren. Diese Verständigung herzustellen, ist im Interesse der politischen Kommunikation. Und diese Verständigung möchten auch wir erreichen, wenn wir politische Kommunikation begleiten und unterstützen.

Aber: Politische Kommunikation ist auch strategische Kommunikation. Sie verfolgt bestimmte Interessen und Ziele – und die sind womöglich nicht immer an Wahrheit orientiert, mag man einwenden. In manchen Fällen lässt sich dem auch nicht widersprechen. In vielen Fällen aber sehr wohl. Denn das Verbiegen von Wahrheit oder gar die Abkehr von ihr ist mit einem demokratischen Grundverständnis nicht vereinbar. Würden wir dieses Grundverständnis unserer Kunden in Frage stellen – sie wären wohl schlicht und ergreifend nicht unsere Kunden. Das ist Teil unserer persönlichen neues handeln-Wahrheit.

Marielle Erb ist Teamleiterin bei neues handeln und verbiegt sich gerne – aber nicht, wenn es um die Wahrheit geht, sondern nur beim Yoga. 

 

 

Stefan Frindt: Wahrheit entsteht im Dialog

Nach Oscar Wilde ist die Wahrheit selten rein und niemals einfach. Wahrheit entsteht für mich im Dialog. Wir alle haben unterschiedliche Sichtweisen auf die Dinge, sind geprägt von unseren eigenen Erfahrungen. Das heißt nicht, dass es keine Wahrheit gäbe und alles relativ sei. Es gibt Wahrheit, aber sie trägt eine blütenreine Weste. Wahrheit kann so vielfältig und vielstimmig, so bunt sein wie wir selbst. Im Dialog tragen wir unsere Sichtweisen zusammen. Bei kontroversen Themen ringen wir um eine gemeinsame Lösung. Und nicht selten revidieren wir im Gespräch unsere Meinung, weil wir erkennen, dass unsere Wahrheit reicher wird, wenn wir eine zweite oder dritte Sichtweise für uns annehmen. Einen offenen und vorurteilsfreien Austausch von Ansichten zu ermöglichen, ist gerade in der politischen Kommunikation immens wichtig.

Als Agentur organisieren wir viele Dialogformate. Wir bringen Menschen an einen Tisch, die unterschiedliche Überzeugungen haben, und Institutionen, die andere Ansichten vertreten. Wir öffnen Räume für den Wissens- und Erfahrungsaustausch. Oft moderieren wir diese Veranstaltungen. Das Schöne dabei ist: In der Rolle des Moderators verändert man selber den Blickwinkel, die eigene Perspektive. Das Wichtigste einer guten Moderation ist zugleich die größte Herausforderung: die richtigen Fragen zu stellen und genau zuzuhören, Verbindendes zu erkennen und Brücken zu bauen zwischen Ansichten, die nur auf den ersten Blick einander ausschließende „Wahrheiten“ sind.

Stefan Frindt ist Teamleiter bei neues handeln und mitverantwortlich für den Schwerpunkt Dialogprozesse.

 

 

Jenny Fleischer: Der Wahrheit Gehör verschaffen

Was sind Fakten, was Fake News? Was objektive Berichterstattung, was interessensgesteuerte Stimmungsmache? In der heutigen Informationsflut wird die Wahrheit zu einem gefährdeten Gut. Umso mehr steigt die Bedeutung der zuverlässigen Information: die auf Tatsachen basiert, komplexe Inhalte auf den Punkt bringt und mit einer einfachen Sprachlichkeit möglichst viele Menschen erreicht.

Für mich ist genau dies die Aufgabe unserer Kommunikationsarbeit: Wir beraten unsere Kunden dabei, Inhalte zu vermitteln – und zwar möglichst klar und zielgerichtet. So einfach und so herausfordernd ist das.

Zunehmend komplexer wird es, die unterschiedlichen Zielgruppen mit Informationen zu erreichen: Großplakate, Anzeigen, der Leitartikel in einer großen Tageszeitung – längst greifen diese Maßnahmen viel zu kurz. Für jede einzelne Zielgruppe gilt es, eigene Ansprachen und Kanäle zu entwickeln. Das ist aus meiner Sicht besonders wichtig: Denn die Wahrheit kann noch so überzeugend sein, sie wirkt nicht, wenn sie nicht gehört wird.

Jenny Fleischer ist Teamleiterin bei neues handeln und Mitglied im Team Akquise.