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Siri & Co. – politisch smart?

Der Versuch einer politischen Kommunikation mit Siri.

Von Emilia Göhler am 5. Dezember 2018

iPhone, auf dem Bildschirm ist zu sehen: Die Frage an Siri: Wen soll ich bei der nächsten Wahl wählen? Siri antwortet: Welche Telefonnummer soll ich für Michael Wahl verwenden? Zu sehen sind zwei Nummern, eine mobile Nummer und eine iPhone-Nummer
Siri kennt zwar nicht immer die richtige Antwort, aber sie hat immer etwas zu sagen. Das hat sie mit manch realer Person gemein.

„Hey Siri, wer ist das Volk?“ – „Du bist das Volk! Du bist das Volk!“ So verkündete es letztes Jahr ein Radiospot mit dem Ziel, mehr Leute zur demokratischen Beteiligung zu animieren. In Wirklichkeit hat Siri auf diese Frage keine so motivierende Antwort parat, wie in unserer Bildstrecke zu sehen ist. Aber abgesehen davon, dass es womöglich tatsächlich Leute gibt, die eine solche Frage nur mit Hilfe von Siri, Google Assistant & Co. beantworten können, stellt sich natürlich auch die Frage, ob Sprachassistenten oder „Smart Speaker“ überhaupt in der Lage sind, mit solchen politischen Fragen umzugehen. Wie (politisch) smart sind unsere virtuellen Freunde tatsächlich?

Im Dialog mit der Maschine

Die Frage gewinnt an Relevanz, denn zahlreiche Menschen in Deutschland nutzen Siri & Co. Laut der aktuellen ARD/ZDF Onlinestudie hat ein Drittel der deutschen Bevölkerung schon ein solches Angebot genutzt. Bei der jüngeren Generation, den 14- bis 29-Jährigen, sind es sogar über 60 Prozent. Tendenz eher steigend. Besonders interessant wird es, wenn man sich die „parasozialen Qualitäten“ der Sprachassistenten anschaut. Wurden bisher parasoziale Beziehungen mehrheitlich im Zusammenhang mit fiktiven Film- und Serienfiguren analysiert, stellen nun anscheinend auch smarte Sprachassistenten geeignete „Beziehungspartner“ dar. So gaben 12 Prozent der Befragten an, dass sie schon einmal probiert hätten, einen kleinen Dialog mit Siri & Co. zu führen. Mehr als die Hälfte von Ihnen bewertete solche Möglichkeiten als gut bzw. sogar sehr gut. 

Treffen digitale Assistenten bald unsere Wahlentscheidung?

Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass parasoziale Bindungen zu Sprachassistenten schon bald keine Seltenheit mehr darstellen – wie zum Beispiel in Spike Jonzes beeindruckendem Film „Her“ . Hier verliebt sich ein Schriftsteller (Joaquin Phoenix) in die intelligente und lebensfrohe Stimme seiner Computer-Sprachassistentin. Doch was bedeutet das für das Feld der politischen Kommunikation? Suchen politisch Interessierte und Uninteressierte sich in Zukunft ihre Informationen und Ratschläge über Siri und ihre Freunde? Kommen Politiker und Medienschaffende etwa auf die Idee, über virtuelle Sprachassistenten Themenschwerpunkte und Meinungstendenzen der Bevölkerung erfahren zu wollen? Können uns Siri & Co. die schwierige Entscheidung abnehmen, wen wir alle paar Jahre wählen sollen? Könnten sie uns womöglich sogar zu besseren Wählern machen? 

So antwortet Siri auf politische Fragen.
Klicken Sie sich durch unsere Bildstrecke.

Siri schweigt nie

Gedankenexperimente dazu gibt es viele (u.a. hier). Und obwohl die Sprachassistenten von Jahr zu Jahr „smarter“ werden, wollten wir mal testen, inwieweit man tatsächlich schon mit einem Sprachassistenten einen kleinen politischen Dialog führen kann. Da Siri sowohl in Deutschland, als auch bei uns im Büro das meistgenutzte System ist, haben wir uns mit unserem Experiment direkt an sie gewandt: „Siri, kannst du eigentlich politisch kommunizieren?“ Siri versteht meine Fragen genau. Und sie schweigt nie. Sie kennt zwar nicht immer die richtige Antwort, aber sie hat immer etwas zu sagen. Das hat sie mit manch realer Person leider gemein. „Es tut mir leid. Ich fürchte, ich habe keine treffende Antwort auf diese Frage.“ Das befürchteten wir auch. Trotzdem gaben wir nicht auf.