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Camp statt Konferenz

Brown Bag, Fishbowl, Pecha Kucha, BarCamp – was für viele noch abenteuerlich klingt sind die Veranstaltungsformate von morgen.

Von Jasmin Pápai am 21. Mai 2019

10:15 Uhr, Konferenz, der erste Blick auf die Uhr. Die nächste Kaffeepause noch zwei Vorträge weit entfernt. Wir alle kennen Veranstaltungen, die stets nach Schema F ablaufen: Check-in, Begrüßung, Auftaktrede, Frontalvorträge oder Workshops.

Auch wenn klassische Formate ihre Berechtigung haben: Ein Blick über den Tellerrand lohnt immer. Denn auch die Anforderungen an Veranstaltungen sind gestiegen. Gefragt sind Interaktivität, Spontaneität, Unterhaltung, Vernetzung und Synergien – online und offline. Um spannende Abläufe zu schaffen. Um Interaktionen zu ermöglichen und so Botschaften langfristig und nachhaltig in den Köpfen der Teilnehmenden zu verankern. 

Frontalvorträge? Das war gestern

Menschen wollen sich austauschen, sie wollen kommunizieren, kreativ sein und Anteil nehmen. Sie brauchen Räume, in denen sie auf Augenhöhe zusammenfinden, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Die Liste der Möglichkeiten ist fast unendlich: Open Space, BarCamp, World Café, Warp Conference, Brown Bag Session, Slam, Pecha Kucha, Speed Geeking, Thinkaton, Elevator Pitch, Digital Reality oder Fishbowl-Diskussionen. All diese partizipativen Formate fordern heraus, denn sie sind weniger absehbar und planbar als herkömmliche Formate. Sie haben aber eines gemein: Die Teilnehmenden sind eingeladen, aus dem eigenen Potenzial und dem Potenzial anderer zu schöpfen. Wer in wichtige Entscheidungen involviert ist, erfährt Wertschätzung und beteiligt sich eher aktiv, wenn es an die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Strategien und Ziele geht.

Die Verschmelzung von on- und offline

Auch wenn Veranstaltungen immer noch auf Raum und Zeit begrenzt sind: Sie dürfen heute nicht nur offline gedacht werden. Bereits im Vorfeld erwachen sie zum Leben – durch Ankündigungen, Blogs und Diskussionen im virtuellen Raum. Streams und Liveblogs ermöglichen auch Menschen eine Teilnahme, die sich aktuell woanders aufhalten. Digitale Technologien wie Twitterwalls und Co transportieren die Inhalte direkt live ins World Wide Web.
Aber Digitalisierung bedeutet nicht, dass physische Begegnungen durch virtuelle Kontakte ersetzt werden. Ganz und gar nicht! Reale Begegnungen haben nach wie vor eine große Bedeutung, denn der eigentliche Dialog findet bei der Veranstaltung selbst statt, in der analogen Welt.

Veranstaltungen transportieren Inhalte – auf allen Ebenen

Bei Veranstaltungen geht es nicht nur um Begegnungen, sondern auch um Erlebnisse. Wer die Teilnehmenden nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional abholt, verankert die Themen nachhaltig in den Köpfen. Die Kulisse oder der Ort der Veranstaltung tragen maßgeblich zur Erzählung bei. Eine Konferenz zu Zukunftsthemen in einem klassischen Tagungsraum zu veranstalten, ist wenig authentisch – es sei denn, dies wird bewusst als Bruch eingesetzt. Die große Kunst ist es, mit den Mitteln von Rauminszenierung (analog/digital) und Dramaturgie emotionale Zugänge zu schaffen und die Besucherinnen und Besucher vom Anfang bis zum Ende „abzuholen“.

Es lohnt sich, mit Gewohnheiten zu brechen

Veranstaltungen müssen mit der Zeit gehen und sich verändern. Um sie zu hybriden Formen einer analog-digitalen Welt mit echten Begegnungen und Emotionen zu machen, gibt es viele Möglichkeiten. Gelernte Mechanismen haben sich zwar bewährt. Es lohnt sich aber immer, mit Gewohnheiten zu brechen! Auch heute geht es darum, Inhalte nachhaltig zu transportieren. Nur eben anders als noch vor 30 Jahren.

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BarCamp: Alle auf Augenhöhe

Ein BarCamp ist ein offenes Veranstaltungsformat, eine Art „Mitmach-Konferenz“. Die Teilnehmenden entwickeln und gestalten die Inhalte und den Ablauf während der Veranstaltung selbst in sogenannten „Sessions“.

Brown Bag Session: Die lockere Lunchinszenierung

Der Name kommt von den braunen Tüten, mit denen viele Amerikanerinnen und Amerikaner ihr Mittagessen zum Arbeitsplatz bringen. Mit Brown Bag Sessions sind informelle Treffen gemeint, meist während der Mittagszeit. Während des Lunchs hören die Teilnehmenden einen Vortrag, anschließend diskutieren sie in Gruppen darüber.

Fishbowl: Alle aktivieren – unabhängig von der Hierarchie

Die Diskussionsgruppe wird in einen Innen- und Außenkreis aufgeteilt. Dabei wird festgelegt, wer zu Beginn aktiv mitdiskutiert und wer erst einmal zuhört. Im Innenkreis diskutiert eine kleine Gruppe von Teilnehmenden, während die Mehrheit im Außenkreis (bzw. den Außenkreisen) die Diskussion beobachtet. Möchte sich jemand aus dem Außenkreis an der Diskussion beteiligen, kann die Person sich auf einen freien Stuhl in der Mitte setzen oder den Platz mit einem Teilnehmenden aus dem Innenkreis tauschen. 

 

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Pecha Kucha: Vorträge ohne Längen

Die Regeln eines Pecha Kucha-Vortrags sind denkbar einfach: Erlaubt sind 20 Bilder, von denen jedes für 20 Sekunden gezeigt wird. Heraus kommt ein genau 6 Minuten und 40 Sekunden langer Vortrag, der meist recht kurzweilig ist – denn für längeres Abschweifen bleibt der Referentin bzw. dem Referenten keine Zeit.

Open Space: Partizipative Freiheit

Die Methode Open Space bietet sich für Konferenzen mit ca. 50 bis 2.000 Teilnehmenden an. Innerhalb kurzer Zeit erarbeiten mehrere Arbeitsgruppen verschiedene Ideen zu einem festgelegten Leitthema, ohne feste Tagesordnung und ohne Programm.

World Café: Intensiver Austausch

Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen – das ist das Ziel eines World Cafés. Die intensiven Diskurse finden in kleinen Kreisen statt, wie in einem klassischen Café und in der früheren Salon-Kultur. Um den Austausch zu vertiefen, wechseln die Teilnehmenden mehrmals die Tische und die Gruppen werden durchmischt. In einer Abschlussrunde präsentieren die Teilnehmenden ihre Ergebnisse.

Warp Conference: Business Speed-Dating

Nicht die Expertinnen und Experten stehen hier im Zentrum, sondern der Wissensaustausch zwischen den Teilnehmenden. Beim Speed-Dating tauschen Teilnehmende aus unterschiedlichen Wissens- und Tätigkeitsbereichen in kurzen Zweiergesprächen ihre Gedanken aus und entwickeln daraus Konzepte und Ideen.

Slam: Der beste Vortrag gewinnt

Ein Wettbewerb zwischen mehreren Vortragenden, die für ihren Vortrag jeweils zehn Minuten Zeit haben und dabei in der Wahl der Hilfsmittel frei sind. Am Ende entscheidet das Publikum, welche Darbietung die beste war. 

Speed Geeking: Schneller, persönlicher Wissenstransfer

Informationen zu mehreren Themen in kürzester Zeit zu vermitteln – Speed Geeking macht das möglich. Die Teilnehmenden bilden kleine Gruppen. In den einzelnen Gruppen wird parallel immer ein Kurzvortrag à vier Minuten plus eine weitere Minute für das Beantworten von Verständnisfragen eingeplant. Anschließend rotieren die Gruppen zu einem neuen Redner. Die Teilnehmenden sind gezwungen, das jeweilige Thema im Kern zu erfassen und auf den Punkt zu bringen.

 

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Thinkaton: Ein Marathon des Denkens

Der Name ist Programm: Im Fokus steht das gemeinsame Nachdenken zu vorgegebenen Themen und Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Thinkatons wollen neue Lösungsansätze für ein bzw. mehrere vorgegebene Probleme finden. Alle Teilnehmenden sind am Prozess beteiligt. Der Ansatz ist offen, partizipatorisch und inklusiv. Wichtig sind ein zuvor gesetztes Erkenntnisziel und eine Moderation, die durch den Thinkaton führt.

Elevator Pitch: In wenigen Sekunden begeistern

Beim Elevator Pitch präsentiert die Referentin bzw. der Referent in einem begrenzten Zeitraum von maximal drei Minuten ein Thema. Die Idee: In der Länge einer Fahrstuhlfahrt eine wichtige Person für eine Idee zu begeistern – auf interessante, ansprechende und leicht verständliche Weise. Es kommt auf Tempo und Überzeugungskraft an.

 

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