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„Das Internet ist nur ein Hype“

Bill Gates, der Gründer von Microsoft, soll dem Internet keine lange Lebensdauer bescheinigt haben – und lag damit voll daneben. Wilde Prophezeiungen und falsche Vorhersagen über das World Wide Web – ein Best-of.

Von Katharina Hering am 21. Mai 2019

Einen digitalen Aufbruch in die Demokratie erhofften sich zahlreiche Vordenker vom Internet, darunter Digital-Philosoph Sasha Lobo und Cyper-Utopist Douglas Rushkoffs. Bewegungen wie der Arabische Frühling schienen ihnen Recht zu geben. Seitdem haben Algorithmen und Social Bots die politischen Debatten polarisiert. Diktaturen haben gelernt, Dissidenten anhand ihrer digitalen Spuren aufzuspüren ... schöne neue Welt. 

 

 

„Aufklärung“, sagte Immanuel Kant, „ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Lange schien es, als sei es die ultimative Stufe der Aufklärung, wenn alles Wissen der Welt im Internet frei zugänglich ist. Spätestens seit 2016 wissen wir aber, dass Fake News Wahlen gewinnen. Und egal ob Flat Earth, Impf-Skepsis oder Lichtnahrung: Die selbstverschuldete Unmündigkeit scheint zum digitalen Trend zu werden. 

 

 

In der Zukunft werden wir das Haus nur noch digital verlassen. Statt unser wird ein Avatar über digitale Straßen spazieren, an Meetings und Seminaren teilnehmen, Wahlkampfveranstaltungen besuchen oder digital shoppen: Bereits 2003 trat das Computerspiel Second Life mit dem Versprechen an, ein „Metaversum“ in der digitalen Welt zu schaffen. Der Anfangshype war groß. Universitäten, Firmen und auch Volkshochschulen auf dem flachen Land eröffneten digitale Dependancen ... und schlossen sie wieder.

 

 

Allen Abgesängen, Konkurrenten und Skandalen zum Trotz: Der Riese Facebook ist 15 Jahre nach seiner Gründung omnipräsent und dominant wie eh und je. Nichts scheint ihm langfristig wirklich zu schaden. Nicht der Aufstieg von Konkurrenten wie Instagram oder Snapchat, nicht die zahlreichen Skandale rund um Datenschutz und Wahlmanipulation. Denn wo sonst bekommt man die neuesten Nachrichten und Verschwörungstheorien direkt neben den Fotos der Babys von Schulfreunden angezeigt?

 

 

... prophezeite 2001 der einflussreiche Zukunftsforscher Matthias Horx. Ganz unrecht hat er nicht: Lange Jahre war über die Hälfte des Internetverkehrs nicht von Menschen, sondern von Bots erzeugt. Erst 2017 haben wir Menschen uns wieder eine klare Mehrheit erobert. Nun, da bald mit dem Ausbau des 5G-Netzes die Grundlage für das Internet der Dinge gelegt wird, muss man sich die philosophische Frage stellen: Wenn alle Fernseher, Kaffeemaschinen, Kühlschränke und Staubsaugerroboter online sind, wem gehört dann das Internet – dem Menschen oder der Maschine?