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„Wir hauen auf die Pauke und machen das Ganze bekannt“

Wie bringt man eine Kampagne ins Ohr? Ein Gespräch mit Sounddesigner Sebastian Müller über Sound-Magie und einen Adler, der das Sprechen lernt.

VON Anne Schmidt AM X. OKTOBER 2020

Wie erkennt man einen guten Sound, Sebastian?

Das kann man nicht rational erklären. Für mich entsteht bei einem guten Sound eine Art Magie, etwas, das größer ist als die Summe der einzelnen Teile. Das Bild fängt an zu leben. Du lachst, du hast ein Erlebnis – egal ob es ein trauriges oder freudiges ist. Das Bild ist eher die rationale Ebene. Der Sound, also die Geräusche und die Musik, verknüpft das Bild mit Emotionen. Dort, wo das Bild noch alleine in der Luft hängt, kommt der Sound dazu und sagt: ‚Ich will lustig sein. Ich will informativ sein.‘ Der Sound lenkt es also in die richtige Richtung und sagt dem Zuschauer, wie das, was er sieht, wirken soll. Sounds gehen direkt ins Herz.

Die Kampagne

Rund zwei Millionen Kinder haben in Deutschlang Anspruch auf den Kinderzuschlag, genannt KiZ. In den Spots des Bundesfamilienministeriums erklärt Familienadler Freddi, für wen der KiZ sich lohnt, und nimmt die Sorgen vor zu viel Papierkram.

In unserem Clip spielt Freddi die Hauptrolle, der Adler des Bundesfamilienministeriums. Wie habt ihr den Sound entwickelt?

Eigentlich ganz klassisch – wir setzen uns im Team zusammen und gucken uns den Clip an. Dann sagt jeder, was er fühlt, wie er den Clip wahrnimmt und wo es hingehen soll. Das war bei Freddi relativ klar. Er springt rum, er ist ein bisschen verrückt. Wir haben dann zwei Versionen entwickelt – eine mit einem echten Adler-Sound und eine mit unseren eigenen Stimmen. Da war relativ schnell klar: Die Emotionen wie Freude oder Erstaunen können wir nicht mit einem normalen Adler-Geräusch ausdrücken. Wenn Freddi die Augenbrauen hochzieht, muss ich eine Frage hören. Aber es muss auf jeden Fall nonverbal funktionieren. Richtige Worte zu sprechen, wäre komisch.

Welche Rolle übernimmt die Musik in dem Clip?

Die Drums verbinden den ganzen Spot und setzen die Akzente auf das Bild. Die Musik hält die Animation zusammen. Auch wenn man das nicht auf den ersten Blick sieht. Sie rahmt das Ganze, diese „Yeah, wir packen es an“-Stimmung. Wir hauen auf die Pauke und machen das Ganze bekannt. Diese Botschaft wollten wir transportieren.

Sebastian Müller

sang mit acht Jahren im Dresdener Kreuzchor und begleitete jeden Sonntag den Gottesdienst. Da er fand, dass sein Talent als Sänger zum Broterwerb nicht ausreichte, blieb er der Musik auf andere Weise treu. Er mag es, für seine Agentur Hofkapellmeister mit Sounds jeden Tag etwas Neues zu erschaffen.

Sounddesign und politische Kommunikation – welches Potenzial siehst du hier?

Das Sounddesign funktioniert hier nach den gleichen Gesetzen wie in der Werbung. Nur, dass es eben entdeckt werden will. Bei politischer Kommunikation denkt man zuerst an Wahlwerbung. Aber das ist längst nicht alles. Spots, wie die von der Agentur Heimat für die FDP, polarisieren. Das finde ich gut. Eine Sound-Botschaft geht viel tiefer als eine Botschaft, die als Text geschrieben ist. Sie berührt dich an einem anderen Punkt – ohne, dass du etwas dagegen machen kannst. Natürlich kann das auch zu Ablehnung führen. Aber ich persönlich mag es immer, eine Aussage zu haben.