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Politik zum Lauschen

Warum politische Podcasts so angesagt sind, haben wir Philip Banse (Lage der Nation), Sandra Sperber (Stimmenfang) und Shoko Bethke (Lila Podcast) gefragt. Ihre Antworten zum Nachhören.

Von Simona Dunsche am 26. Oktober 2020

Früher war es das Hörspiel auf Kassette, heute ziehen uns Hörbücher und Podcasts on demand in ihren Bann. Und auch in der Zeit dazwischen war und ist das Medium Radio ein beständiger Begleiter, der trotz Konkurrenz durch Netflix und andere Streaminganbieter seine Position in der Medienlandschaft tapfer verteidigt. Ein Beweis dafür, dass rein auditive Formate ihren Reiz nicht verlieren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Durch das Fehlen visueller Einflüsse lässt das reine Zuhören Bilder in unseren Köpfen entstehen – im Vergleich zu Serien und Filmen also vielleicht der kreativere Konsum? Gleichzeitig kombinieren wir das Hören gerne mit anderen Tätigkeiten wie Autofahren, Bügeln oder Kochen. Zur Abwechslung nicht auf einen Bildschirm schauen zu müssen – ein klares Plus. 

Lockerer Plauderton ohne Skript

Podcasts begeistern quer durch alle Altersgruppen und Milieus. Dabei ist es insbesondere die Machart, die Podcasts von anderen Audioformaten unterscheidet und so beliebt macht: Die meisten Podcasts sind als Serienformate konzipiert: Sie erscheinen in regelmäßigen Abständen und oft gibt es wiederkehrende Rubriken. Abseits davon folgt der Inhalt jedoch meist keinem Skript – Podcasts sind von einer gewissen Spontaneität, einem „conversational touch“ gekennzeichnet. Leichte Einstiege, plötzliche Themenwechsel und ein lockerer Plauderton machen den Reiz aus. Aufseiten der Hörer:innen entsteht das Gefühl, Teil eines entspannten Gesprächs zu sein. Durch regelmäßiges Hören bauen wir so eine Beziehung zu den Podcasts-Hosts auf. 

Diese „Einfachheit“ findet sich auch in der Produktion wieder: Privatpersonen können mittlerweile ohne spezielle technische Kenntnisse ihre eigenen Podcasts aufnehmen und veröffentlichen. Das Ergebnis: eine enorme Themenvielfalt – bis hin zu Podcasts über das Podcasten selbst. 

Mehr Durchblick in der täglichen Nachrichtenflut

Auch den Bereich Politik haben Podcasts schon lange erobert – sogar Angela Merkel hat mittlerweile ihren eigenen. Die Bandbreite reicht von klassischen Nachrichten-Podcasts über tiefergehende Reportagen bis hin zu Interview-Podcasts mit wechselnden Gästen. Und auch sonst ist für jeden Geschmack und jeden (noch so straffen) Zeitplan etwas dabei: Für Vielbeschäftigte bietet Deutschlandfunk mit dem Presseschau Podcast eine Alternative zum ausführlichen Scan der Tageszeitungen – wenige Minuten lang, dafür mehrmals täglich. Mit Steingarts Morning Briefing können interessierte Hörerinnen und Hörer jeden Tag mit einer etwa halbstündigen Bewertung des politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehens in den Tag starten. Ulf Burmeyer und Philip Banse lassen jede Woche in Lage der Nation die Woche politisch Revue passieren – fast immer in Spielfilmlänge. 

Dies sind nur wenige Beispiele für eine nahezu unüberschaubare Menge an Podcasts, die sich auf politische Inhalte spezialisiert haben. Bei der täglichen Nachrichtenflut über das weltweite politische Geschehen können Podcasts dabei helfen, den Überblick zu behalten und Geschehnisse besser einzuordnen. 

 

Aber was macht Podcasts so besonders?

 

 

Philip Banse

ist Journalist und arbeitet vor allem für das Deutschlandradio-Hauptstadtstudio. Seit 2016 ist er Host des Podcasts „Lage der Nation“. Er beschäftigt sich vor allem mit den Auswirkungen der Digitalisierung, aber auch mit Umwelt- und Bildungsthemen.

Sandra Sperber

ist Journalistin, seit 2006 bei SPIEGEL TV in Berlin und seit Januar 2019 Ressortleiterin Audio. Zusammen mit Yasemin Yüksel moderiert sie den Podcast „Stimmenfang“, in dem sich die beiden Moderatorinnen fragen: Wie funktioniert Politik in Deutschland? Und wo muss sie besser werden?

Shoko Bethke

ist Moderatorin im „Lila Podcast – Feminismus aufs Ohr“. Nebenbei arbeitet sie u.a. als Übersetzerin sowie Autorin für das japanische Medienunternehmen „News Digest“. Ihre Themen sind ostasiatische Politik, Rassismus sowie Sexismus in Film und Musik. Aktuell entwickelt sie einen Podcast mit gesellschaftskritischen Themen über Japan.